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Zur Zeit ist ja eine wilde Debatte in aller Munde über das Thema “Echo 2018”. Deutschlands bedeutendste Preisverleihung. Als ich noch in der Musikbranche tätig war, hatte der Echo tatsächlich einen Stellenwert. Oder besser gesagt die gesamte Musikbranche hatte einen ganz anderen Wert.

Nehmen wir mal das Beispiel Auszeichnung für CD Verkäufe. Darf man noch “goldene Schallplatte” sagen, in Zeiten von Download Verkäufen? Diese Auszeichnung hatte bis ins Jahr 75 keine festen Kriterien und wurde von den Plattenfirmen verliehen. So richtig wusste man nicht warum, aber sie war da. Ab 76 wurde die goldene Schallplatte an die Verkaufszahlen gekoppelt, man möchte meinen es ginge hier um Endkunden Verkäufe aber weit gefehlt. Die an die GEMA und andere Urheberverwertungsgesellschaften gemeldeten Verkaufszahlen wurden herangezogen. Im Endeffekt also die Absatzzahlen die durch die Plattenfirmen gemessen wurden, nicht die tatsächlichen Einkäufe beim Musikdealer des Vertrauens. Bis zu dem Zeitpunkt musste man 250.000 CDs (Alben) verkauft haben für eine goldene Schallplatte.
Da mit dem Internet die illegalen Downloads immer mehr wurden, waren die CD Käufe immer rückläufiger. Die Messlatte wurde deutlich herab gesetzt. Anfang der 2000er waren plötzlich nur noch 100.000 verkaufte Tonträger nötig für einen messbaren Erfolg.

Aber zurück zum Echo.

Vergangene Woche wurde also in den Messehallen Berlin eine Auszeichnung vergeben. An die erfolgreichsten Musiker des vergangenen Jahres. Wenn ich mich nicht irre basiert der Echo als einziger Musikpreis weltweit auf Verkaufszahlen. Nach der daraus entstandenen Nominierung entsteht dann ein Voting Prozess durch eine Jury, mit Köpfen aus der Branche. Die Stimmen dieses Votings resultieren dann mit 50% in der Shortlist. Sollte ich mich täuschen, klärt mich gern auf. Wozu führt dieses Verfahren? Es werden unter Umständen fragwürdige Künstler nominiert.

Seit einigen Jahren gibt hitzige Debatten über die Nominierung der Gruppe “Frei.Wild”. Der Gruppe wurden extremistische Zusammenhänge vorgeworfen. Frei.Wild haben sich sowohl von Links- als auch Rechtsextremismus eindeutig distanziert als Gruppe. Was die Herren in ihrer Freizeit machen hat mich erst mal nich zu interessieren, es geht ja um die Musik. Einige Fachkundige haben in den Texten “Nazi-Ideologien” gesehen. Ebenfalls sei es nicht von der Hand zu weisen, dass die Musik von dieser Gruppe sich in radikalen Szenen häufig wiederfinde. 2014 wurde in mehrfacher Prüfung eine Indizierung abgelehnt, da die betroffene CD explizit gewaltablehnend sei.

Nun ging es 2018 also um Rapper, die antisemitische Texte publizieren. Farid Bang ist in Spanien geboren, marokkanischer Abstammung und  als Kind nach Deutschland gekommen. Ein Weltbürger, wie man es heutzutage sagen würde. Man sollte vermuten, dass jemand mit einem Background zwei mal überlegt was man so in die Welt tragen sollte. Aber wie schon oben gesagt, über die privaten Ansichten von Musikern möchte ich mich nicht äußern, ich kenne die Herren ja nicht. Wer in der Öffentlichkeit steht muss jedoch damit Leben, dass er kritisiert wird und jedes Wort auf die Goldwage gelegt wird. Fakt ist. Drei Alben von Farid Bang wurden vom BPjM indiziert.

Und nun?

Farid Bang und Kollegah haben einen Echo gewonnen. Sie haben in der entsprechenden Kategorie die meisten Verkäufe erreicht. Viele Menschen regen sich nun auf. Sei es über die Nominierung, die Auszeichnung oder die Verleihung selbst. Fakt ist: Der Echo sollte die Künstler nominieren und auszeichnen wenn sie besondere Erfolge geleistet haben. Es würde gar nicht erst zu solchen Nominierungen kommen. Der Veranstalter tut also Gutes damit das Konzept dieser Veranstaltung zu überdenken. Mittlerweile befinden wir uns an einem Punkt wo Künstler ihre Auszeichnungen zurück geben, da der Echo für sie keinerlei Bedeutung hat.

Kylie Minogue und Rita Ora mit Liam Payne waren als Internationale Gäste geladen. Deutschland steht auch so viele Jahre nach dem Krieg international immer noch sehr schwierig da in Bezug auf Nationalsozialismus. Nach so einer Auszeichnung lacht man also nur noch über Deutschland. Im kommenden Jahr werden sich internationale Künstler sicherlich mindestens 2 mal überlegen ob sie einer Einladung folgen sollten.

Um aber auf den eigentlichen Gedankengang zu kommen der mich bewegt. Ist mal abgesehen von dem Inhalt der Veröffentlichungen nicht viel beängstigender, dass solche Musik es überhaupt schafft einen solchen Absatz zu finden? Wie oben schon geschrieben, die Erfolgsschwellen sind sehr tief. Jedoch sieht man an der Entwicklung im politischen Bereich einen eindeutigen Trend. Die Musik spiegelt diesen ebenfalls wieder. Politik möchte ich hier gar nicht äußern, aber man sollte schon drüber nachdenken was passiert. Ohne eine entsprechende Bühne gäbe es diesen Erfolg nicht. Nebst dem Umbau einer solchen Preisverleihung sollte also mal auch mal ins eigene Land geschaut werden.

Ändern sollte sich auf jeden Fall etwas.

Nachtrag

Marius Müller-Westernhagen hat einen fantastischen Beitrag dazu formuliert.